Firewatch von Colin Hadler [Thriller]

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Von den falschen Menschen gemocht zu werden, ist wie von den richtigen gehasst. S. 124

 

 

Inhaltsangabe

Ein Jahr zuvor: Aaron übernimmt bei einem Ferienjob die Firewatch in einem kalifornischen Nationalpark. Stationiert im Firetower nebenan: Der gleichaltrige Schriftsteller Kian, der eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf Aaron ausübt – obwohl er spürt, dass Kian etwas verbirgt. Für ihn verlässt Aaron heimlich seinen Posten – und kehrt nie zurück. Als die Ermittlungen eingestellt werden, fasst sein bester Freund Robin einen riskanten Plan: Er will Kian daten, um sein Vertrauen zu gewinnen und Aaron zu rächen.

 

Eigene Meinung

Ein Buch, an dem ich ebenfalls nur schwer vorbeikam. Gefühlt habe ich Firewatch überall gesehen und da ich ohnehin das Gefühl hatte, momentan etwas mehr Thrill in meinem Leben zu brauchen, musste das Buch schließlich bei mir einziehen. Ob es meine Erwartungen erfüllen konnte, erzähle ich euch hier …

Colin Hadler lädt mich in Firewatch dazu ein, die Geschichte aus gleich drei Perspektiven zu erleben. Zum einen lese ich aus der Ich-Perspektive von Robin, der vor einem Jahr seinen besten Freund Aaron verloren hat. Die zweite Perspektive erzählt aus Aarons Sicht und die dritte bleibt lange Zeit ein großes Rätsel. Sie wirkt wie eine Abfolge von Albträumen und wird durch schwarze Seiten optisch hervorgehoben. Natürlich war mir schnell klar, dass sich dahinter etwas verbergen musste – was genau, habe ich allerdings erst deutlich später verstanden.

Hadlers Schreibstil ist angenehm flüssig. Die Schauplätze werden bildhaft beschrieben, ohne dabei in endlosen Details zu versinken. Ich hatte nie das Gefühl, mit Beschreibungen überladen zu werden. Besonders gefallen haben mir die unterschiedlichen Erzählstimmen. Jede Figur wirkt eigenständig und hebt sich klar von den anderen ab.

Vor allem das Freundestrio aus Robin, Aaron und Haley mochte ich sehr. Robin lerne ich dabei am intensivsten kennen. Durch kleinere Rückblicke erfahre ich immer mehr über seine Vergangenheit und seine Gedanken. Schon früh hatte ich das Gefühl, dass Robin im Laufe der Geschichte eine deutliche Entwicklung durchmachen wird – und genau das passiert auch. Stellenweise empfand ich diesen Fokus allerdings als etwas zu präsent. Nicht nur mit dem Finger wurde auf seine Entwicklung gezeigt, sondern gefühlt gleich mit einer großen Leuchtreklame: „Robin entwickelt sich gerade!“

Ihr wisst mittlerweile wahrscheinlich, dass ich in Büchern sehr viel Wert auf gut geschriebene Charaktere lege. Robin mochte ich wirklich gern, dennoch hätte ich mir gewünscht, dass die Geschichte selbst dadurch nicht manchmal etwas in den Hintergrund rückt.

Genau dort liegt für mich leider auch der größte Kritikpunkt.

Die Spannung konnte mich über weite Strecken nicht vollständig erreichen. Teilweise hatte ich das Gefühl, gemeinsam mit Robin auf der Stelle zu treten. Während die Suche nach Antworten immer neue Fragen aufwarf – was für einen Thriller natürlich völlig normal ist –, stellte sich bei mir zwischendurch dennoch ein Gefühl des Stillstands ein.
Dabei gibt es durchaus starke Szenen. Besonders das Kapitel im Keller oder auch Aarons Rückweg zum Tower konnten mich wirklich fesseln. Leider gelang es dem Buch für mich nicht, diese Spannung dauerhaft aufrechtzuerhalten. Manche Passagen wirkten etwas zäh und einige Fragen blieben für meinen Geschmack auch nach der Auflösung noch offen. Hier hätte ich mir stellenweise etwas mehr Erklärung gewünscht.

Mit der eigentlichen Auflösung habe ich allerdings überhaupt nicht gerechnet. Nicht in diesem Ausmaß.

Und ich musste wieder ein wenig über mich selbst lachen. Kian fand ich von Anfang an irgendwie seltsam – gleichzeitig mochte ich ihn aber trotzdem ziemlich gern. Wahrscheinlich sagt das mehr über mich aus als über ihn.

Was mir wiederum ausgesprochen gut gefallen hat (und bitte, liebe Autor*innen, traut euch das gern häufiger!), waren die queeren Charaktere. Für mich waren sie einfach ein selbstverständlicher Teil der Geschichte – genau so, wie es sein sollte. Auch einige wenige Spice-Szenen finden ihren Platz. Sie wirkten auf mich passend und vor allem nicht überzogen. Zumindest hatte ich nicht plötzlich das Gefühl, dass da ein riesiger … na, ihr wisst schon … vor einem steht, was ja doch in (Dark)Romance oder (Dark) Romantasy Büchern gern mal der Fall ist 😀

Ich habe in den letzten Monaten gemerkt, dass ich grundsätzlich überhaupt nichts gegen Spice in Büchern habe. Im Thriller-Kontext lege ich meinen Fokus allerdings deutlich stärker auf den Spannungsanteil. Bitte versteht mich nicht falsch: In Firewatch hat es für mich durchaus funktioniert und wirkte keineswegs erzwungen. Dennoch interessieren mich in diesem Genre die Thriller-Elemente einfach mehr. Vielleicht bin ich deshalb manchmal etwas irritiert, wenn Bücher als Thriller vermarktet werden und sich dann doch stärker in Richtung Dark Romance bewegen. Firewatch hat diese Balance für mich insgesamt aber gut getroffen.

 

Mein abschließendes Fazit

Firewatch konnte mich vor allem mit seinen individuellen Charakteren und der gelungenen Idee hinter den verschiedenen Perspektiven überzeugen. Colin Hadler schafft es immer wieder, den Kreis der Verdächtigen neu zu mischen und mich dadurch ständig an meinen eigenen Vermutungen zweifeln zu lassen.

Leider hatte ich gleichzeitig das Gefühl, dass der starke Fokus auf Robins Entwicklung die eigentliche Handlung stellenweise etwas ausbremst. Zwar gibt es immer wieder spannende Momente, doch insgesamt konnte mich die Geschichte nicht ganz so fesseln, wie ich es mir erhofft hatte.

Dafür wirken die Figuren authentisch und lebendig, und auch die Auflösung konnte mich überraschen. Einige offene Fragen blieben für mich zwar bestehen, das ist am Ende aber vermutlich auch ein Stück weit Geschmackssache.
Ich denke besonders Leserinnen und Leser, die gerne Romantic Suspense mit Thriller-Elementen mögen, könnten an Firewatch viel Freude haben.

 

Es gibt nur euch beide. Einen Mörder und dich.S. 89

 

Von mir bekommt "Firewatch" von Colin Hadler 

3/5 Sternen!

firewatch_colin_hardler Bildquelle: dtv
Buchdetails
Name: Firewatch
Autor: Colin Hadler
Seiten: 400
Verlag: dtv
Erschienen: 19.02.2026
Kostenpunkt: 17€
Hier zu kaufen: Firewatch
Hier zu kaufen (Hörbuch / eBook): Firewatch
Kostenpunkt (Hörbuch / eBook): 12,99€
Genre: Thriller
Kategorie: Allgemein, Rezension Kommentare: 0