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Ich fühle was, was du nicht fühlst [Buchrezension]

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India ist 13 Jahre jung und wächst mit ihren Hippie Eltern und ihrem Bruder ohne weitere Grenzen auf. Den Kindern werde jegliche Freiheiten gelassen. Che, Indias Bruder, macht das alles viel mehr zu schaffen was auch bald die Familie merken muss. Doch auch India hat ihr Päckchen zu tragen und schnell befindet man sich als Leser zwischen Mitgefühl und Wut…

Ein schmaler Grad

Wir tauchen ein in das Jahr 1975 wo India 13 Jahre alt ist und unsere Hauptprotagonistin. Ich fand ziemlich schnell ihre Art und Weise die Welt zu sehen, sehr interessant. Zahlen haben bei  ihr beispielsweise alle eine bestimmte Farbe und Musik verhält sich ihr gegenüber als „normal“. Normal ist hier auch ein gutes Stichwort. Denn India muss viel damit kämpfen das sie nicht wie andere Kinder ist.

Wir lesen alles aus der Perspektive von India. Auch die Art und Weise wie sich ihre Eltern ihr und ihrem Bruder gegenüber verhalten, hatte ich für sehr kalt,distanziert und desinteressiert wahr genommen. Zugegeben: Am Anfang dachte ich auch das es nichts schöneres als Kind geben könnte, wenn man alle Freiheiten der Welt von den Eltern aus hatte. Schnell ruderte ich aber wieder zurück. Denn Eltern die kein Interesse an meinem Leben haben, die sich nicht für mich interessieren… das ist hart.

Wenn die Bäume faule Früchte tragen

India versucht sich mit allen zu engagieren und zurecht zu kommen, ihr Bruder Che hat es dabei schwieriger. Immer wieder versucht er seine Eltern zu provozieren und hat als Kleinkind schon unter der Ignoranz der Eltern gelitten. Nun als Jugendlicher scheint er endlich etwas gefunden zu haben, wo er zugehört und wo es Ordnung und Anstand gibt. Leider auf der Nationalsozialistischen Seite.

„Er trat gewissermaßen in den Sprechstreik, so wie andere in den Hungerstreik (der ja eigentlich  Esstreik heißen müsste). Dabei legte er eine erstaunliche Selbstbeherrschung an den Tag. Vielleicht lernt an die ja bei den Nazis.“ S. 258

Die Eltern versuchen es weites gehend zu ignorieren das ihr Sohn nun ein Nazi wird. Sie sitzen zwischen den Stühlen, denn würden sie eingreifen, würden sie doch die Freiheit und Selbstfindung ihres Sohnes verhindern? Aber India sorgt sich um ihren Bruder. Sie beschließt ihn aus diese Gruppierung zu holen und beweist als 13 Jähriges Mädchen mehr Reife als ihre Eltern. Doch Che schlendert damit gleich weiter in ein nächstes Extrem.

Ist drüben das Gras wirklich grüner?

Das einzige das India ein wenig halt gibt, ist der Besuch in der „normalen“ Familie ihrer Freundin. Dort gibt der Vater Christian, India Klavierunterricht. Auch wenn India das vorerst ablehnen möchte, willigt sie später zu. Schnell wird Christian zu ein Vertrauter für India. Immer wieder wünscht sie sich von Bettinas Eltern adoptiert zu werden.

Doch India muss schnell erfahren, das der äußere Schein täuschen kann und Christian nicht nur ihr Vertrauter und Lehrer ist, sondern vielleicht auch mit der schlimmste Alptraum.

Schreibstil

Ich habe hier oft vergessen, das wir aus der Sicht einer 13 Jährigen lesen. Was allerdings diesen Erwachsenen Charakter von India zuzuschreiben ist. Amilie Fried hat hier mit India wirklich eine Glanzleistung in der Charaktererschaffung abgeliefert. Ihre Ängste und Sorgen und auch Reaktionen und Handlungen sind nachvollziehbar. Ich fand es wirklich Herzzerreißend wie die Eltern dargestellt wurden und war aber dafür aber sehr dankbar für das Ende. Wenn ich es mir vielleicht auch noch ein ticken positiver gewünscht hätte.

Empfehlung

Ja. Alleine Indias Humor macht das Buch sehr lesenswert und zu einem wirklichen Schmuckstück.

Mein Fazit zu Ich fühle was, was du nicht fühlst

Die komplett struktuierte Welt von India die damit chaotischer nicht sein könnte, haben mich das Buch nicht mehr aus der Hand legen lassen. Ich musste immer wieder lachen, den Kopf schütteln und mich fragen wie ich in ihrem Alter reagiert hätte. India übernimmt mit ihren jungen Jahren nicht nur die Verantwortung für sich selbst sondern auch für Che. Der Mensch dem sie dann noch am meisten Vertraut, fällt ihr in den Rücken. Ich dachte wirklich teilweise, das es schlimmer nicht werden könnte.

Das Ende hingegen fand ich sehr hart und für mich sogar noch ein Stück weit unbefriedigend. Ich hätte mir andere Menschen an anderen Stellen gewünscht. Die Charakteristische Veränderung und Entwicklung hingegen fand ich bei Che und India super getroffen und freute mich sehr darüber. Für mich steht fest, das „Ich fühl was, was du nicht fühlst“ nicht das letzte Buch von Amelie Fried für mich war.

Von mir bekommt "Ich fühle was, was du nicht fühlst" von Amelie Fried 

4.7/5 Sternen!

Inhalt

India lebt mit ihren Hippie-Eltern und ihrem Bruder Che in der bürgerlichen Umgebung einer süddeutschen Kleinstadt. Intelligent und mit spöttischem Scharfblick betrachtet sie die Welt der Erwachsenen und durchschaut deren Lebenslügen. Ihr Nachbar, ein Musiklehrer, überredet sie zu Klavierstunden und entdeckt ihre große musikalische Begabung. Während ihre Eltern mit einer Ehekrise beschäftigt sind und Che in die Kriminalität abzudriften droht, entsteht zwischen India und ihrem Lehrer eine einzigartige Verbindung, getragen von der Liebe zur Musik. Doch in einem einzigen Moment zerstört er ihr Vertrauen, und India steht vor einer furchtbaren Entscheidung: Ihr Geheimnis öffentlich zu machen – oder für immer zu schweigen.

Ich fuehle was was du nicht fuehlst von Amelie Fried Bildquelle: Heyne
Buchdetails
Name: Ich fühle was, was du nicht fühlst
Autor: Amelie Fried
Seiten: 400
Verlag: Heyne
Erschienen: 14.05.2018
Kostenpunkt: 16,99€
Hier zu kaufen: Ich fühle was, was du nicht fühlst
Genre: Roman
Kategorie: Allgemein, Rezension Kommentare: 0

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