Winterschlaf

Beschlagende Fenster, grauer Himmel, kalter Wind der durch die Straßen fegt. Unweigerlich übertönt er den Straßenlärm in der Stadt die wohl niemals schläft. Oder vielleicht doch – ein bisschen?
Zumindest im Kopf. In meinem Kopf. Die Gedanken die sich gemächlich auf eine Runde „Ping – Pong“ einlassen und meine pure Selbstdisziplin mich dazu verleitet nicht im Auftakt meiner argumentierenden Gedanken mit den Augen hin und her zu switchen. Jetzt denke ich mir: Winterschlaf klingt gar nicht soo doof.

Einer meiner Gedanken holt zum finalen „Jahres Résumé“ Schlag aus und setzt seinen Gegenspieler Gedanken „Zukunftsängste“ und mich damit Schach matt. Ich schüttel den Kopf und gebe beiden Gedanken, in Gedanken, einen Punkt. Gleichstand. Ich hasse es, mich für eine Seite zu entscheiden. Ich mag Gerechtigkeit. Und durchaus sind beide Gedanken auf ihre wirksame Art und Weise nicht zu schlagen. Leider. Jetzt habe ich nur den Gedanken der die Punkte verteilt und gebe ihn aus Mitleid auch ein Punkt. Gott, was stimmt nicht mit mir?

Zappend zwischen ARD, ZDF, MDR, WDR, Arte bleibe ich kurz auf RTL hängen. Bachelor, Dschungelcamp, DSDS.. ich plädiere an meine letzten noch intakten und nicht in den Winterschlaf ertrunkenen Gehirnzellen. Fernseher aus. Stille. Die letzten Gedanken die nicht mit Ping – Pong oder Schach sich gegenseitig malträtieren, danken mir für das ausschalten. In Ruhe können sie sich nun wieder den ernsten Dingen im Leben widmen. „Was ist mit deinen Vorsätzen?“

Stille. Meine Gedanken haben in tausenden von Schlagabtauschen inne gehalten. Ich überlege. Hatte ich denn welche? Und waren die Fenster schon immer so dreckig? „Konzentriere dich auf die Sache“ höre ich meine Gedanken meckern, höre mich selbst meckern, höre den Straßenlärm, höre Feuerwehrsirenen, ertrinke im Lärm und schließe das Fenster.“Nun mach schon!“ seufzend erhebe ich meine Knochen die schon selbst im Winterschlaf zu sein schienen, und stehe orientierungslos im Raum. Okay, ich mach!

Aber was?

Auf meinen Kontrollgang durch die Wohnung auf der Suche nach meinen Vorsätzen bleibe ich hier und da stehen. Ich räume und Acker, schreibe und lese, höre und singe, vertiefe mich nicht in Gedanken. Bin zu abgelenkt als auf die aufschlagenden Ball Geräusche im Kopf zu achten. Werden sie lauter, haue ich stärker auf die Tasten, schalte die Musik lauter und meine Stimme die dazu und zu der unverkennbaren Freude meiner Nachbarn auch lauter wird. Sie applaudieren mir, in dem sie gegen die Heizung schlagen. Danke, danke!

Am Abend des Tages, der mich meinen Vorsätzen näher kommen ließ, sah ich den Tannenbaum. Traurig lässt er seine Äste hängen. Weihnachten ist vorbei, und damit auch deine Zeit alter Freund. Ich hole die Kartons und schmücke ihn ab. Langsam und vorsichtig. Auch der Rest der Weihnachtsdekoration verschwindet in den Kartons.

„Wir sehen uns Ende des Jahres“ sage ich leise zu den Weihnachtsmännern, Nussknackern, Weihnachtskugeln und Girlanden, bevor ich sie in den Karton sperre, wo sie nun ihren Winterschlaf halten können…

Kategorie: Allgemein, Gedankengänge, Mit Humor genommen Kommentare: 0

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