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Kennen Sie diesen Mann? [Buchrezension]

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Drei Menschen, Drei Geschichten und David der sein Gedächtnis verloren hat. Während seine zwei damaligen besten Freunde und sein Stiefvater versuchen in Form von Briefen und den dort inhaltenden Geschichten an die Vergangenheit zu erinnern, lernen wir auch die Menschen besser kennen die diese Briefe schreiben. Unweigerlich habe ich mich gefragt ob David das einzige Opfer ist in dieser Geschichte oder geschweige denn, ob er überhaupt eines ist…

Der erste Brief: Jon

Jon spielt in einer Band in der es Zwischenmenschlich aber sehr bescheiden läuft, weswegen er diese Kure Hand verlässt. Er beschließt seine kranke Mutter zu besuchen um auf andere Gedanken zu kommen. Die Beziehung zwischen der beiden Brüder ist sehr angespannt. Als dieser dann auch noch Neuigkeiten hat, was ihn und seine Frau angeht, scheint die Bombe zu platzen…

Jons Brief an David ist sehr emotional. Ich konnte erst später verstehen wie der Brief so viele Gefühle beherbergen konnte, obwohl er in der Gegenwart grade speziell gegenüber seiner Mutter beispielsweise, eher kühl und distanziert reagiert.

„Ich will ja nur wissen, warum es immer so abläuft, was du dazu meinst. Warum verhakt es sich immer, warum willst du nicht reden, warum hast du solche Angst, dich zu entblößen und zu zeigen, wer du bist und was du denkst und glaubst, warum lässt du niemanden an dich heran?“ S. 107

Der zweite Brief: Arvid

Arvid ist Davids Stiefvater. Heute hat er Krebs und seine letzte Aufgabe ist es sozusagen, David den Brief zu schreiben. Diese Aufgabe soll in erste Linie David helfen, doch merkt auch Arvid, wie wichtig diese Aufgabe für ihn ist. Für die Hoffnung, für das weitermachen. Von Jons Brief wissen wir eigentlich eine menge über den Stiefvater, doch schien es als ob ich plötzlich über einen ganz anderen Arvid lese, als ich zu seinem Brief kam. Die Erinnerungen die er David in seinem Brief mitteilt sind liebevoll, clever und teilweise auch ein Stück kitschig. Dennoch erzeugen sie ein sehr gegenteiliges Bild zu dem, was Jon in seinem Brief beschreibt.

Ebenfalls wurde in dem Brief von Arvid stark auf die Liebe zu Berit – Davids Mutter – eingegangen. Eigentlich scheint aus der Sicht von Arvid alles im grünen Bereich, während er in die Rolle des Stiefvaters schlüpft. Doch auch David kommt in die Pubertät und während Berit sich schon länger Sorgen macht, und Arvid es immer bagatellisierte muss auch er sich über kurz oder lang fragen, ob das noch das aufbegehren eines Jugendlichen ist.

„Wenn es Niemanden mehr gibt, der unser Leben dokumentieren kann, wenn es niemanden mehr gibt, der lustige Geschichten darüber erzählen kann, wie stur und morgen muffelig wir sein konnten, wenn wir niemanden mehr haben, mit dem wir zusammen lachen oder mit dem wir wütend werden, wenn wir niemanden mehr haben, der uns daran erinnert, wer wir sind, und wenn wir niemanden mehr haben , der uns ermuntert, der zu sein, der wir sein könnten, lösen wir uns auf und verschwinden.“ S. 215

Der dritte Brief: Silje

Siljes Brief fand ich persönlich eher weniger produktiv aber dafür ihre Geschichte die sie erzählt wenn sie nicht schreibt. Während Jon und David es sehr genossen haben, die Jugendtage bei Silje Zuhause zu verbringen, weil ihre Mutter so kreativ, intelligent und Weltgewandt schien, und ihnen zugegebener Maßen auch viele Türen offen standen, so hatte Silje wohl sehr darunter zu leiden.
Eine besondere Beziehung hatte Silje eher zu ihrem Vater. Als dieser ihre Mutter verlassen hat, ist ihre Mutter aufgeblüht und hat alles nachgeholt, was sie in der Ehe zu ihrem Mann nicht konnte.

Heute lebt Silje mit ihrem Mann zusammen in der Nähe ihrer Mutter. Als sie anfängt David den Brief zu schreiben, hatte ich das Gefühl das auch eine innere Rebellion sie zu packen scheint, die durch aus auch durch die ehemaligen Gefühle gegenüber David zusammen hängen könnten. Silje scheint in Ehe eher abzustumpfen. Sie erzählt ihrem Mann Lügen, um ihn zu provozieren oder einen Streit an zu Zetteln, kann sich aber nicht erklären woher dieses Verhalten kommt. Allerdings sind ihre Gedankengänge bezüglich David zum Schluss sehr interessant…

Schreibstil

Der Schreibstil von Carl Frode Tiller, war zu Anfang etwas neues. Interessant den Brief der drei zu lesen und zugleich auch zu lesen wie es ihnen im Momentan Leben ergeht. Tiller beschreibt jegliche Gespräche ohne Anführungszeichen zu benutzen was es enorm erschwert. „Sagte er“ „Sagte sie“ „schrie er“ so endet gefühlt jeder zweite Satz der Geschichte. Die Briefe waren einfacher in einem Rutsch zu lesen, da die Erzählung keinerlei wörtliche Rede brauch. Ab der Hälfte des Buches, verlor ich ein wenig den Elan weil auch viele emotionale Ausdrücke sich gern wiederholten und auch die Stimmung sich aus den Wiederholungen nicht zu erholen schien.

Die Geschichte startet gut, interessant – anders! Man taucht ein, lernt die verschiedenen Geschichten und Biografien der verschiedenen Menschen kennen die dort eine Rolle spielen. Leider ist es das auch mit dem festhalten von Charakter spezifischen Eigenschaften. Alle drei Charaktere scheinen Psychisch sehr belastet zu sein. Jon mit seiner Sexualität, Silje durch die Beziehung zu ihrer Mutter wie die zu ihrem Mann und auch Arvid der durch sein Krebsleiden eigentlich an nichts positives mehr glauben kann. Weitere Faktoren spielen natürlich auch eine Rolle die aber nicht vollständig aufgeklärt wird. Bedingt durch das Problem, das Silje, Arvid und Jon die Briefe an David schreiben mit ihren Erinnerungen an die gemeinsame Zeit, die sich teilweise mehr als Stark von einander differenzieren.

Empfehlung

Das ist schwierig. Die Geschichte die Carl Frode Tiller hier erzählt hat einen klaren Faden und die Idee ist interessant und für mich war sie auch neu. Allerdings war sie für mich persönlich sehr kompliziert und eintönig durch die Schreibweise da gestellt, weswegen ich es wirklich nur Menschen empfehlen kann die geduldig sind und sich durch die Schreibweise nicht einschüchtern oder entmutigen lassen.

Mein Fazit zu Kennen Sie diesen Mann?

Wie jetzt schon einige Male erwähnt: Die Idee ist ansprechend. Es ist für mich etwas neues gewesen. Der Schreibstil genauso wie die Geschichte dahinter.
Leider konnte mich Carl Frode Tiller nicht mit dieser Begeisterung bis zum Schluss dabei behalten. Was ich sehr schade finde. Die immer wieder aufgewärmten Emotionen und die kühle der Charaktere sowie das lediglich „grobe Kratzen an der Oberfläche“ dieser, ist für mich sehr ermüdend gewesen. Das keinerlei wörtliche Rede benutzt wird und Sätze dann enden mit „Sagte er“ oder „sagte sie“ wirkt leider Stellenweise sehr anstrengend und unterbrechend.

Begeisterung fanden die etwas anderen Seiten der Charaktere und die Erzählung und Beschreibung des jeweils anderen von ihm. Auch, das man David beispielsweise nicht einmal ließt. Man wird in die Geschichte geschmissen, schaut sich um und mit einigen Korrekturen bei dem Aufbau der Geschichte- kann man auch wirklich Platz nehmen und das alles auf sich wirken lassen. Es hat potential und man möchte David verstehen und kennen lernen. Nur ein klein wenig direkter, näher und intensiver.

Von mir bekommt "Kennen Sie diesen Mann?" von Carl Frode Tiller 

2,8/5 Sternen!

Inhalt

David hat sein Gedächtnis verloren. Er weiß nicht mehr, wer er ist. In einer Zeitungsanzeige fordert er Verwandte und Bekannte auf, ihm einen Brief zu schreiben, um ihm seine Erinnerungen zurückzugeben. Und er bekommt Antworten auf seine Fragen. Aber will er die wirklich hören? Denn sie sind ganz unterschiedlicher Art und nicht immer schön. Sein Jugendfreund Jon, ein Musiker, der gerade den Halt zu verlieren scheint, meldet sich. Sein Stiefvater Arvid, ein Pfarrer, der auf den Tod wartet. Und seine Jugendliebe Silje, eine Frau mittleren Alters, die möglicherweise gerade im Begriff ist, aus ihrer Ehe auszusteigen. Die Briefe geben ihnen allen die unerwartete Chance, von ihrem eigenen Leben zu erzählen, während sie zugleich Davids Geschichte einkreisen. Aber wer ist David wirklich?

Kennen Sie diesen Mann von Carl Frode Tiller Bildquelle: btb Verlag
Buchdetails
Name: Kennen Sie diesen Mann?
Autor: Carl Frode Tiller
Seiten: 352
Verlag: btb Verlag
Erschienen: 09.01.2018
Kostenpunkt: 10,00€
Hier zu kaufen: Kennen Sie diesen Mann?
Genre: Roman
Kategorie: Allgemein, Rezension Kommentare: 0

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