Berühre mich. Nicht. [Buchrezension]

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Harte Schale – weicher Kern

In „Berühre mich. Nicht.“ soll es Sage’s absoluter Neubeginn werden. Nur deswegen hat sie ihre kleine Schwester Nora und ihre Mom zurück gelassen. Und mit ihnen ihren Stiefvater. In Nevada angekommen versucht sie all ihre bisherigen Erlebnisse an Zuhause zu verdrängen. Sie schließt schnell Freundschaft mit April die mit ihr aufs College geht. Ein Job hat Sage auch schnell gefunden. Doch das sie diesen mit einem Mann teilen muss und zusätzlich mit dem Bruder von April, war ihr nicht bewusst. Ihre Vergangenheit scheint sie einzuholen und mit ihnen die schrecklichen Panik Attacken…

Es war gerade ihr achtzehnter Geburtstag geschehen als Sage ihre Familie bestehend aus ihrer kleinen Schwester, ihrer Mom und ihrer besten Freundin Megan hinter sich lässt und nach Nevada aufbricht um dort fernab von ihrem Stiefvater ein neues Leben zu beginnen. Mit gerade mal vierzig Dollar in der Tasche steht ihr erster Punkt fest: Einen Job finden. In der College Bibliothek wird sie auch fündig.

Zusätzlich lernt sie ihre neue beste Freundin April kennen. Ihr Leben scheint tatsächlich nach ihren Schicksalsschlägen positiv zu verlaufen. Vorerst. Denn immer noch sieht Sage in jedem Mann eine Bedrohung. Sie manöviert sich zwischen Alltagssituationen und hat beziehungsweise muss, immer eine Ausrede – einen Ausweg – aus für sie nicht machbaren Situationen haben.

Gerade im Studium ist es unausweichlich das sie auch mit anderen Studenten zusammen Arbeiten muss:

„Gruppenarbeiten waren mit Sicherheit eine Erfindung des Teufels, anders konnte ich mir die Existenz dieser Art der Folter nicht erklären.“ S. 53

Selbst auf Arbeit schafft sie es nicht ihre Ängste zu verdrängen, denn dort wartet schon Luca auf sie. Der große, breit gebaute und zusätzlich tätowierte Luca. Die Verkörperung ihrer Angst.
Sage fällt es unheimlich schwer sich auf ihre Arbeit zu konzentrieren, ihre Ängste in Schach zu halten und auf jede Bewegung von Luca zu achten.

Als ihr dann klar wird, das gar nicht Gavin, der ebenfalls ihren Psyschologiekurs besucht, Aprils Bruder ist sondern Luca, ist Sage überzeugt davon das sie sich nicht mehr auf ihr Gefühl verlassen kann. Doch erst auf Lucas Geburtstag bemerkt Sage, das er anders ist, als die Männer die sie fürchtet – anders als ihr Stiefvater. Es folgen tiefgründigere Gespräche die in Sage – nicht nur wegen den Alkohol – keine Angst mehr erwecken.

„[…] In gewisser Weise schon. Unterhaltungen können zu Gefühlen führen, Sex täuscht sie nur vor. Und wenn erst mal Gefühle im Spiel sind, ist es leicht, verletzt zu werden.“ S. 170

Es kommt, wie es kommen muss und es entwickeln sich Gefühle zwischen den Beiden. Sage ist ist stellenweise dennoch gehemmt und muss Luca zurückweisen. Sie zweifelt nicht an ihm, aber dafür um so mehr an sich. Als Alan – ihr Stiefvater- ihr deutlich zu verstehen gibt das er weiß wo sie ist, bricht ihre mühsam geklebte endgültig in zwei…

Schreibstil

Laura Kneidl versteht es den Leser zu fesseln auch durch eine Thematik die sich (leider) immer wiederholt und mich damit durch das Buch begleitet hat. Das „leider“ ist hier aber nicht als Kritik Punkt zu verstehen! Ich habe mit Sage oft mitgelitten und mitgefühlt. Die Psychologische Thematik mit den immer wieder kehrenden Angst- bzw. Panikattacken sind aufwühlend aber authentisch. Ich leider ab und an auch unter eben diesen und konnte Sage in vielen Punkten verstehen und nachempfinden.

Trotzdem hat es die Autorin geschafft Sage auch eine Charakterstärke zu geben, die der Charakter nicht an sich erkennt aber mich wirklich oft „den Hut ziehen ließ“. Die verschiedenen Situationen die sich Sage absichtlich und wissentlich aussetzte, haben sich meinen Respekt verdient.

Auch die anderen Charaktere haben hier einen großen Preis verdient. So haben wir beispielsweise Luca. Dieser wirkt aufgrund seiner äußeren Erscheinung wie ein „typischer“ Sportler für dessen Sage ihn auch zu beginn hält, verbringt seine Zeit aber lieber mit dem Zocken von Videogames und vor allem dem lesen. Laura Kneidl hat hier das typische „Schubladendenken“ aufgebrochen was ich als sehr erfrischen empfand.

Ebenfalls seine Schwester April und auch Sage’s andere beste Freundin Megan haben wundervoll ausgearbeitete Charakteristische Merkmale. Während April ein großes Selbstbewusstsein hat und weiß wo und wie sie wo hin kommen möchte, ist Megan ein Freigeist – eine Künstlerin mit allen Facetten.

Tatsächlich war ich schnell in die Geschichte eingetaucht und habe mir alle Szenarien vor meinem Inneren Auge vorstellen können. Egal ob es die WG, der Vorlesungsraum oder selbst die Professoren waren. Bilder waren sofort vorhanden und das nicht durch eine expliziert detaillierte Beschreibung von der Autorin sondern eher durch den Platz dem sie mir als Leser eingeräumt hat um es mir vorstellen zu können.

Empfehlung

Für alle die „Young Adult“ gerne lesen, kann ich dieses Buch nur ans Herz legen. Allerdings gibt es hier Unterschiede! Es ist nicht voll gepackt mit Erotik und dem hin und her in einer Liebesbeziehung! Es geht hier mehr um Sage an sich um ihre Beziehungen zu den verschiedenen Freunden und natürlich werden auch mehr ihre Ängste und Panikattacken thematisiert.

Mein Fazit zu Berühre mich. Nicht.

Laura Kneidl überzeugt hier mit tiefgründiger Story und unheimlich sympathischen Charakteren. Sage ist nicht bemitleidenswert sondern interessant und ich habe selbst, sehr neugierig, Seite für Seite umgeblättert um in Erfahrung zu bringen was los ist mit ihr. Um sie besser kennenzulernen und natürlich auch ihre Freunde, ihr Leben. Die tiefgründige Story und das eben nicht wahllose von Bett zu Bett gehüpfe hat mich hier sehr überzeugt und vereinnahmt.

Es war unheimlich erfrischend keinen weinerlichen Hauptcharakter im herkömmlichen Sinne zu haben. Natürlich hat Sage eine Vergangenheit die sie, wenn sie es auch nicht möchte, immer wieder in die Gegenwart trägt. Diese Ängste vereinnahmen sie und teilweise beherrchen sie, sie auch. Nichts desto trotz bekommt kämpft sie mit allen Mitteln dagegen an und versucht sich selbst aus diesem Loch in dem sie sitz wieder rauszuholen.

Einzig das Ende ist wie eine bittere Pille die man trocken schlucken muss. Gott sei Dank habe ich den zweiten Teil schon und freue mich enorm zurück nach Nevada zu kommen, Stage, Luka, April und all die anderen wieder zu sehen. Zumindest hoffe ich das doch…

Von mir bekommt "Berühre mich. Nicht." von Laura Kneidl 

4,9/5 Sternen!

Inhalt

Als Sage in Nevada ankommt, besitzt sie nichts – kein Geld, keine Wohnung, keine Freunde. Nichts außer dem eisernen Willen, neu zu beginnen und das, was zu Hause geschehen ist, zu vergessen. Das ist allerdings schwer, wenn einen die Erinnerungen auf jedem Schritt begleiten und die Angst immer wieder über einen hereinbricht. So auch, als Sage ihren Job in einer Bibliothek antritt und dort auf Luca trifft. Mit seinen stechend grauen Augen und seinen Tätowierungen steht er für alles, wovor Sage sich fürchtet. Doch Luca ist nicht der, der er auf den ersten Blick zu sein scheint, und als es Sage gelingt, hinter seine Fassade zu blicken, lässt dies ihr Herz gefährlich schneller schlagen …

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beruehre-mich-nicht Bildquelle: LYX
Buchdetails
Name: Berühre mich. Nicht.
Autor: Laura Kneidl
Seiten: 458
Verlag: LYX
Erschienen: 26.10.2017
Kostenpunkt: 12,90€
Hier zu kaufen: Berühre mich. Nicht.
Genre: Young Adult/ Roman
Kategorie: Allgemein, Rezension Kommentare: 1
Eine Antwort auf „Berühre mich. Nicht. [Buchrezension]“
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