Mein Leben oder ein Haufen unvollkommener Momente [Buchrezension]

ACHTUNG!
Ich habe diese Rezensionsexemplar von Vorablesen.de zugeschickt bekommen. Vielen Dank an dieser Stelle! Nichts desto trotz wird meine Rezension wieder offen und ehrlich und unvoreingenommen sein. 

Die kleinen Momente und Augenblicke

Tess Fowlers Welt scheint gerade nicht nur ein wenig aus den Angeln gehoben worden zu sein. Ihr Freund, mit dem sie fast ausschließlich über Facebook, Mails & co. Kontakt hatte, ist gestorben. Der Entschluss die Schule zu schmeißen und sich auf die Reise zu ihrem Vater zu begeben, scheinen dabei Tess geringere Übel zu sein. Sie hatte nur in Erfahrung bringen können das ihr Freund, Jonah, sich mit einer Überdosis Tabletten das Leben genommen hat.

Der Angewohnheit wegen, schreibt Tess, Jonah immernoch. Vorallem ihr Lieblingsspiel, spielt sie immernoch mit dem exestierenden Facebook Account von Jonah: „Beschreibe was du siehst“. Natürlich weiß sie, das ihr Jonah darauf nicht mehr antworten kann, aber hat sie so das Gefühl ihm noch nahe zu sein. Diesem Menschen der ihr doch irgendwie so Unbekannt war.

„Deshalb will ich dir nur eine Frage stellen: Ist das hier dein Back-up, Jonah? Oder rede ich wirklich nur mit mir selbst? Ich warte auf deine Antwort, Tess.“ S.37

Nachdem sie bei ihrem Vater angekommen ist, entschließt sie sich ihren ehemaligen Lieblingsplatz aufzusuchen um vielleicht dort, ein für alle mal mit Jonah abschließen zu können. Der See. Sie schreibt ihm, ihre letzten Beschreibungen von Dingen die sie sieht. Bis sie ihren Laptop nimmt und ihn in diesen See wirft. Nach einigen Sekunden springt sie allerdings lauthals hinterher. Grace – die Frau im Kajak die Tess vorher schon aufgefallen war, zieht sie aus dem Wasser und bringt sie nach Hause zu ihrem Vater.

Grace versucht heraus zu finden was hinter dieser Aktion steckt, aber Tess hüllt sich in Schweigen. Auch zu ihrem Vater sagt sie kein Wort, der im allgemeinen vom Donner gerührt ist, das seine Tochter bei ihm ist. Nur das Grace das Haus verlässt möchte Tess und schlägt mit Worten um sich die sehr Feindselig gegenüber Grace sind.

In den nächsten Tage versuchen Vater und Tochter aufeinander zu zugehen. Für beide ist es deutlich schwer. Niemand weiß bis langen von dem Verlust den Tess erlebt hat und sie hat auch bisher nicht das Bedürfnis jemanden darüber zu informieren oder aufzuklären. Immer wieder wird einem während des lesens Bewusst das Tess ihren Vater irgendwie vermisst, auch wenn er bei ihr ist. Dabei sind es sehr süße Momente die einem sowohl lächeln als auch etwas traurig werden lassen.

„In meiner Kindheit war mein Vater mein Vertrauter gewesen. Die meiste Zeit arbeitslos, holte er mich jeden Tag von der Schule ab und suchte unter den vielen Winzlingen nach mir. Wenn ich ihm auf dem Weg nach Hause von meinem Tag erzählte, nickte er immer ganz interessiert, als fände er jede Einzelheit ungeheuer spannend.“ S. 40

Ein paar Tage nach ihrem „Schwimmunfall“, benutzt sie den alten Laptop ihres Vaters. Sie würde einfach gern mal auf Facebook vorbeischauen. Und sie staunt nicht schlecht, als sie wirklich eine Nachricht von Jonah bekommen hat. Wie ist das Möglich? Hatte Jonah sein Gehirn auf moderne Art und Weise in etwa „Einfrieren“ lassen auf irgendwelchen Servern und nun vermag er über die Weiten des Internets mit ihr zu sprechen? Tess ist sich tief in ihrem inneren sicher, das dass wohl nicht der Fall sein wird.

Tess antwortet auf die Nachricht des vermeidlichen Jonahs und lernt so das erste mal Daniel kennen. Daniel war Jonahs Mitbewohner auf dem MIT. Er beichtet Tess das Jonah nur in den ersten Monaten mit Tess geschrieben hat und danach hatte Daniel über Jonahs Account mit ihr geschrieben.

Aus allen Wolken fallend, begreift sie nur schwer fällig was Daniel ihr gerade gebeichtet hatte. Sie hat Angst davor noch mehr Lügen ertragen zu müssen und beschließt Daniel ihre Nummer zu geben. Doch auch irgendwann werden die Telefonate für sie zu schmerzhaft, so das sie beschließt einen kompletten Cut zu machen.

Ihr Vater, der Bestattungen der besonderen Art ausrichtet, schlägt Tess vor als seine Partnerin zu arbeiten. Er schätzt ihre Ideen und ihre Kreativität und kann sich gut vorstellen das sie ebenfalls Freude an der Arbeit finden könnte. Tess hat herausgefunden das auch Grace – ihre „Retterin“ mit dem Kajak – ein Bestattungsunternehmen hat und bittet sie um ein Treffen. So gäbe es vielleicht die Möglichkeit ihrem Vater noch nützlicher unter die Arme greifen zu können. Grace stimmt dem auch zu. Während des Treffens erfährt Tess mehr von Grace. Unter anderem das sie selbst schon die Trauer mit all ihren Facetten durchgemacht hat. Nämlich als ihre Tochter starb.

„Es gibt keine Abkürzungen. Du musst erst die schwere Zeit überstehen, bevor es leichter wird.“ S. 116

Die neue Arbeit kommt Tess ungeheuer gelegen. Eine Beerdigung einer ehemaligen Burlesque Tänzerin, lässt Tess dabei nicht so los, denn als sie nach draußen geht um sich die Beine zu vertreten und den Kopf etwas frei zu bekommen, steht plötzlich Daniel vor ihr…

Schreibstil

Den Schreibstil von Peter Bognanni fand ich einfach und sogar sehr authentisch. Er hat gut das Alter eines 17- Jährigen Mädchens getroffen mit all den Facetten. Ich persönlich fand „Tess“ vom Charakter her sehr stark aber stellenweise auch sehr aufmüpfig – was nicht schlecht ist- aber ich hatte immer das Gefühl das sie alles und jeden gegen sich wenden möchte. Auch die Beziehungen zu den einzelnen Charakteren waren mit vielen schlechten Erfahrungen und im allgemeinen sehr kompliziert geschildert. In diesem Buch handelt es sich vorrangig um den Verlust von Menschen, das umgehen mit dem Tod im allgemeinen. Die Charaktere verarbeiten alle auf ihre eigene Art und Weise den Verlust eines Menschens und dennoch merkt man stark wie sie durch die verschiedenen Phasen der Trauer gehen.

Empfehlung

Durchaus. Natürlich beschäftigt sich das Buch viel mit dem sterben, aber auch um das Leben der Hinterbliebenen. Es ist nicht unnötig sentimental, so das man auch nicht alle 2 Minuten weinen muss. Interessant, facettenreich und durch die Hauptprotagonistin Tess ist das Buch auch humorvoll. Für Zwischendurch genau das richtige.

Mein Fazit zu Mein Leben oder ein Haufen unvollkommener Momente

Gute Idee und auch gut umgesetzt. Wir lesen die Geschichte von Tess Fowler die den Verlust ihres Freundes verarbeiten möchte und dadurch verschiedene Menschen kennenlernt und auch dessen Verluste. Man beginnt darüber nachzudenken was wirklich die „wichtigen“ Themen im Leben sind und über was man sich Sorgen machen kann und sollte und was einen nur unnötig belastet. Wir haben hier Charaktere die alle ihr Päkchen zu tragen haben. Man durchlebt hier wunderbar die verschiedenen Phasen der Trauer was man am Ende des Buches realisiert.

Das Ende von „Mein Leben oder ein Haufen vollkommener Momente“ fand ich etwas schwach und hätte mir gerne noch gewünscht zu erfahren was aus all den Plänen, Ideen und Beziehungen werden. Nichts desto trotz ging das lesen des Buches schnell von der Hand durch die einfache und unkomplizierte Schreibweise. Vielleicht hat mir persönlich, wegen des Themas die leichte „Theatralik“ gefehlt.

Von mir bekommt "Mein Leben oder ein Haufen unvollkommener Momente" von Peter Bognanni 

3.8/5 Sternen!

 

Inhaltsangabe

Getroffen haben sich Tess und Jonah nur ein einziges Mal. Obwohl sie sieben Monate zusammen waren. In dieser Zeit haben sie alles miteinander geteilt per Chat, Facebook, Tweets, haben sich herzzerreißende E-Mails geschrieben, ihr Innerstes preisgegeben, sich gegenseitig ihre Liebe erklärt. Und trotzdem hat Tess es nicht kommen sehen: Jonahs Selbstmord. Doch Tess sendet weiter Nachrichten an Jonah, ihre erste Liebe. Es ist ihre Art, die Trauer zu verarbeiten. Und eines Tages erhält sie tatsächlich Antwort

 

Bildquelle: Hansa Literaturverlage
Buchdetails
Name: Mein Leben oder ein Haufen unvollkommener Momente
Autor: Peter Bognanni
Seiten: 272
Verlag: Hansa Literaturverlage
Erschienen: 29.01.2018
Kostenpunkt: 18,00€
Hier zu kaufen: Mein Leben oder ein Haufen unvollkommener Momente
Genre: Jugendbuch, Roman
Kategorie: Allgemein, Rezension Kommentare: 1
Eine Antwort auf „Mein Leben oder ein Haufen unvollkommener Momente [Buchrezension]“
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